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Auf dem Foto ist eine Glasstück mit Bohrungen unterschiedlicher Form und Durchmessern zu sehen.

Laser-Glasbohren

Das Laserbohren ist ein hochpräzises, berührungsloses Verfahren zur Erzeugung von Bohrungen, Innenkonturen und mikrostrukturierten Merkmalen in Glas und anderen Werkstoffen. 

Die Zukunft der Glasbearbeitung

Das Laserbohren ist ein Schlüsselverfahren in der modernen Glasbearbeitung. Es ersetzt zunehmend mechanische Bohrverfahren – nicht nur aufgrund seiner überlegenen Bohrqualität, sondern auch aufgrund seiner Prozesssicherheit und Flexibilität. Ob ultradünnes Glas, gehärtete Substrate oder komplexe Innenkonturen: Mit Technologien wie der kontrollierten Laserablation lassen sich selbst die anspruchsvollsten Anforderungen zuverlässig erfüllen. Das Laserbohren von Glas bietet klare Vorteile für Branchen wie die Mikroelektronik, Medizintechnik, Displayherstellung und die Herstellung von Architekturglas – von minimaler Partikelbildung und hoher Kantenqualität bis hin zu maximaler Materialausnutzung.

Wir bieten Maschinen für das Laserbohren mit zwei spezialisierten Lasertechnologien an:

Ablation von unten nach oben

Eine klassische Methode der Laserbearbeitung nutzt die hohe Transparenz von Glas gegenüber dem Laserstrahl gezielt aus. Dadurch kann der Laserfokus in die Rückseite des Glases gesetzt und schichtweise zur Vorderseite bewegt werden. Diese Methode eignet sich besonders für robuste Bohrungen mit hoher Prozessgeschwindigkeit und ist ideal für viele industrielle Anwendungen. Durch den Einsatz eines Nanosekundenlasers erfolgt der Bohrprozess vergleichsweise schnell.

Schematische Darstellung der Nanosekunden-Ablation. Der Prozess beginnt an der Unterseite und wird zur Glasoberseite geführt.
Schematische Darstellung Nanosekunden Ablation. Der Bohrprozess beginnt an der Unterseite und wird zur Glasoberseite geführt. Ein konstanter Luftzug an der Unterseite transportiert die abgetragenen Glaspartikel ab.

Prozessparameter:

  • 1.5 s – 2.5 s @ EXG© 0.5 mm Ø1.0 mm
  • Chipping < 150 µm
  • Minimaler Taper bis 0°
  • Aspektverhältnis bis 1:4 (Durchmesser zu Bohrlochtiefe) abhängig vom Produkt
Mikroskopaufnahmen der Lasereintrittsseite einer Nanosekundenbohrung.
Mikroskopaufnahme einer Nanosekundenbohrung von 600 µm. Lasereintrittsseite. Entlang der Bohrung ist Chipping in der Größenordnung < 100 µm zu erkennen. 
Mikroskopaufnahmen der Laseraustrittsseite einer Nanosekundenbohrung.
Mikroskopaufnahme einer Nanosekundenbohrung von 600 µm. Laseraustrittsseite. Entlang der Bohrung ist Chipping in der Größenordnung < 100 µm zu erkennen. 

Ablation von oben nach unten

Für hochpräzise Anwendungen können Pikosekunden- oder Femtosekundenlaser eingesetzt werden. Hier kann die Transparenz des Materials nicht ausgenutzt werden da eine nichtlineare Absorption dominiert. Der Laserfokus wird daher von oben nach unten geführt. Aufgrund der ultrakurzen Pulsdauern wird jedoch eine besonders saubere, spannungsarme und partikelarme Bohrung ermöglicht – ideal für empfindliche Gläser und Anwendungen mit höchsten Qualitätsanforderungen.

Schematische Darstellung einer Pikosekunden-Ablation. Ein Laserstrahl trägt in einer kreisrunden Bewegung das Material ab.
Schematische Darstellung einer Pikosekunden-Ablation. Der Prozess beginnt an der Glasoberseite und wird zur Unterseite geführt. Eine Absaugung von oben transportiert die abgetragenen Glaspartikel ab.

Prozessparameter:

  • 3.5 s – 4 s @ EXG© 0.5 mm Ø1.0 mm
  • Chipping < 50 µm
  • Minimaler Taper < 15°
  • Aspektverhältnis: Abhängigkeit von Taper und Glasdicke (typischerweise 1:1)
Mikroskopaufnahmen der Lasereintrittsseite einer Pikosekundenbohrung. Die Qualität der Bohrung ist sehr gut, es sind keine Ausbrüche zu erkennen.
Mikroskopaufnahme einer Pikosekundenbohrung mit einem Durchmesser von 2 mm (Lasereintrittsseite)
Mikroskopaufnahmen der Laseraustrittseite einer Pikosekundenbohrung. Die Qualität der Bohrung ist sehr gut, es sind keine Ausbrüche zu erkennen. 
Mikroskopaufnahme einer Pikosekundenbohrung mit einem Durchmesser von 2 mm (Laseraustrittsseite)
Mikroskopaufnahmen des Querschnitts einer Pikosekundenbohrung. Die Qualität der Bohrung ist sehr gut, es sind keine Ausbrüche zu erkennen. 
Mikroskopaufnahme einer Pikosekundenbohrung mit einem Durchmesser von 2 mm (Querschnitt)

Für besondere Anwendungen arbeiten wir derzeit an der Integration der Femtosekunden-Ablation in unser Portfolio. Diese Technologie verspricht nochmals höhere Präzision, geringere Wärmeeinwirkung und neue Möglichkeiten für die Bearbeitung anspruchsvollster Glastypen. Bei Fragen steht Ihnen unser Vertriebsteam gerne zu Verfügung.

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Im Gegensatz zum klassischen mechanischen Bohren erlaubt das Laserverfahren:

Die Realisierung komplexer Geometrien wie Trichter oder Strukturen ohne Rotationssysmmetrie.
Filigrane Mikrolöcher mit glatten Bohrwänden.
Die gezielte Anbringung einer Fase (Chamfer) – für funktionale oder optische Anforderungen.
Eine minimale Chippingbildung und partikelarme Bearbeitung.
Die Bearbeitung von Werkstoffen, die mechanisch nicht bearbeitet werden können (z.B. ultraharte oder kristalline Werkstoffe).
Die Bearbeitung von Bauteilen, die empfindliche Beschichtungen aufweisen.

Ein zentrales Element der Lasertechnik ist die effiziente Absaugung:

Wir setzen auf speziell entwickelte, beidseitige Absaugsysteme. Dadurch wird der Bohrstaub zuverlässig entfernt, was nicht nur die Reinheit des Prozesses, sondern auch die Qualität der Bohrungen und die Lebensdauer der Anlagenkomponenten deutlich verbessert.

Das Laserbohren ermöglichen trockenes, spannungsfreies und partikelarmes Bohren, selbst bei Glasdicken unter 0,1 mm – ideal für Anwendungen in Displaytechnik, Sensorik und Medizintechnik.

Vorteile des Laser-Glasbohrens gegenüber mechanischen Verfahren

KriteriumLaser-GlasbohrenMechanisches Bohren
PräzisionSehr hoch, ideal für MikrobohrungenEingeschränkt durch Werkzeuggeometrie
KantenqualitätGlatte Bohrwände, geringes ChippingGrob, oft Nachbearbeitung nötig
MikrorissbildungSehr geringHäufige Mikrorisse und Ausbrüche
Partikelbildung und HilfsmedienGeringe, durch Absaugung kontrollierbare Partikelbildung. Keine Hilfsmedien (Wasser etc.) nötigHohe Partikelbildung, Spül-/Kühlflüssigkeit erforderlich
MaterialausnutzungHohe Ausnutzung durch präzise Geometrien und enge Schachtelung durch berührungslose Bearbeitung.Höherer Verlust durch Bruch und Toleranzen
Geometrische FlexibilitätTrichter- und Sanduhrformen möglich, begrenzt durch ProzessphysikMeist nur einfache Formen realisierbar
Bearbeitung dünner GläserOptimal, auch < 100 µm möglichBruchrisiko bei dünnem Glas
WartungsaufwandGering, kein WerkzeugverschleißHoch, regelmäßiger Werkzeugwechsel
Nahaufnahme mehrerer Glasbohrlöcher mit unterschiedlichen Formen.
Dank Lasern sind verschiedene Bohrgeometrien möglich.

Anwendungen für das Laser-Glasbohren

Das Laserbohren wird in zahlreichen Branchen eingesetzt, in denen höchste Präzision, Sauberkeit und minimale Materialbelastung gefordert sind:

Das Laserbohren wird in zahlreichen Branchen eingesetzt, in denen höchste Präzision, Sauberkeit und minimale Materialbelastung gefordert sind:

Bohrungen für Funktionselemente oder Lichtmodule – auch in beschichteten Gläsern.

Innenausschnitte für Sensorik, HUDs oder Bedienelemente – mit hoher Kantenqualität und Prozesssicherheit.

Mikrobohrungen für Durchkontaktierungen, Mikrofluidik oder Analysechips – partikelarm und präzise.

Bohrungen in Diagnostiksystemen, Lab-on-a-Chip-Anwendungen oder mikrofluidischen Komponenten.

Strukturierte Bohrungen in Dünnglas für Solarmodule oder Beschichtungsträger.

Präzise Innenkonturen in Linsen, Filtern oder Encoderscheiben – ohne thermische Belastung.

Auf dem Foto sind Bohrungen im Glass in verschiedenen Größen zu sehen.
Glasbohrungen mit verschiedenen Durchmessern.

FAQ:  Laser-Glasbohren mit 4JET Technologie

Geeignet sind Sodalime-, Borosilikat- und Dünnglas. Auch chemisch gehärtete Gläser können – je nach Härtegrad – bearbeitet werden.

Typische Lochgrößen reichen von 50 µm bis mehrere Millimeter. Auch Freiformen und langgestreckte Öffnungen sind realisierbar. Wichtig ist, dass das Aspektverhältnis eingehalten wird.

Dank des kontaktlosen Verfahrens sind Glasstärken unter 100 µm problemlos bearbeitbar.

Ja – Unser Laserbohrprozess ist in der Serienfertigung im Einsatz. Die Technologie überzeugt durch eine sehr hohe Reproduzierbarkeit und äußerst geringe Prozessschwankungen, was eine konstant hohe Qualität über große Stückzahlen hinweg ermöglicht und sich bereits in verschiedenen industriellen Anwendungen bewährt hat.

Sehr geringe Rissbildung, Kantenrauheit unter Ra 2.5 µm – ideal für optische und funktionale Anwendungen.

Ja – Wir bieten industrielle Lasermaschinen mit integriertem Bohrprozess, als Standalone-Lösung oder zur Linienintegration.

Unsere Lasersysteme benötigen lediglich Strom, Wasser (PCW) und Druckluft (CDA) – es sind keine speziellen Betriebsmedien oder aufwändigen Infrastrukturmaßnahmen erforderlich. Zudem ist die Bedienung der Anlagen so konzipiert, dass sie von unterwiesenem Bedienpersonal ohne spezielle Laserkenntnisse durchgeführt werden kann – ideal für den Einsatz im industriellen Umfeld.

Ja – über unseren MicroFab JobShop bieten wir Sampling und Kleinserienfertigung zur Prozessvalidierung an.

Die Kosten hängen von Glasart, Dicke, Geometrie und Automatisierungsgrad ab. Wir erstellen gerne ein individuelles Angebot oder führen eine ROI-Berechnung durch.